Alle werden immer älter, viele pflegebedürftig. Der demografische Wandel in Deutschland hat längst begonnen. 2050 wird die Babyboomer-Generation 90 Jahre alt sein. Dann hat diese Entwicklung ihren Zenit erreicht. 

Als wir 1999 begonnen haben, gab es rund 1 Million Pflegebedürftige in Deutschland. Heute sind es 3 Millionen. Die entsprechenden Ausgaben der sozialen Pflegeversicherung werden aktuell mit knapp 3 Milliarden angegeben. Experten gehen davon aus, dass dieser Betrag bis 2050 auf 50 Milliarden ansteigt – für dann bis zu 5 Millionen Pflegebedürftige.

Daran glauben wir nicht.

Wir sind überzeugt davon, dass sich unsere Gesellschaft darauf einstellen wird. Sie wird sich in den unterschiedlichsten Bereichen an die speziellen Bedürfnisse älterer Menschen anpassen. In der Arbeits- und Berufswelt ebenso wie im Sozialversicherungssystem, in der Stadt- und Verkehrsplanung, der Produktgestaltung in der Industrie und ganz besonders in der medizinischen und pflegerischen Versorgung.

Vor allem hier werden geriatrische Patienten einen Anspruch auf ein Optimum an Qualität und Kontinuität erheben. Und das medizinische Spezialgebiet für ältere Menschen – die Geriatrie – wird immer mehr dort angewandt, wo Patienten die meiste Zeit verbringen: Zuhause.

Studien zeigen, dass ein geriatrischer Patient im Durchschnitt vier Jahre lang einer Pflege bedarf. Gleichzeitig ist in Deutschland die Bereitschaft, seine Angehörigen zu Hause zu pflegen außerordentlich hoch.

Beide Faktoren führen dazu, dass pflegebedürftige Menschen vergleichsweise nur kurze Zeit in Krankenhäusern oder Pflegeheimen verbringen.

Für immer mehr Menschen ein selbstbestimmtes, mobiles und selbständiges Leben

Für dieses Ziel ist die geriatrische Kompetenz der niedergelassenen Haus- und Fachärzte entscheidend. Ihre Lotsenfunktion als ständiger Begleiter der Patienten im Alter prädestiniert sie dafür, eine Führungsrolle im Kampf gegen Gebrechlichkeit und Autonomieverlust einzunehmen.

Neben den Ärzten werden sich auch die anderen Akteure des ambulanten Gesundheitssektors, wie Ergotherapeuten, Krankenpfleger, gesetzliche Betreuer, Physiotherapeuten oder Apotheker auf die stark wachsende Zahl geriatrischer Patienten einstellen. Und die Kooperation unter den Akteuren wird sich ständig verbessern. Technische Assistenzsysteme (AAL) werden Einschränkungen im Bereich der Mobilität und Selbsthilfekompetenz kompensieren. Ein engmaschiges Netzwerk wird den Transfer von Know-How erleichtern, eine auf den einzelnen Patienten maßgeschneiderte Behandlung ermöglichen und zur Transparenz der Behandlung beitragen. Der zeitnahe und verlustfreie Informationsfluss untereinander wird durch eine Technologie sichergestellt, die Patienten, Angehörige und allen Behandlern eine uneingeschränkte Kommunikation über alle Sektoren ermöglicht. Sie wird den Pflegealltag, besonders für die Angehörigen, erleichtern.

Die Identifizierung rehabilitationsbedürftigerPatienten wird zum Standard und führt dazu, dass diese ihren Bedürfnissen entsprechend ambulant oder stationär rehabilitiert werden. Dadurch werden immer mehr Menschen immer länger ein selbstbestimmtes, mobiles und selbständiges Leben in  Ihrer gewünschten privaten Umgebung verbringen. Die Kosten für medizinische und pflegerische Versorgung reduzieren sich entsprechend.

2050 wird es überhaupt keine Pflegebedürftigen mehr geben.

Zumindest nicht in dem Sinne, wie wir sie heute kennen. Die Geriatrie wird sich schließlich durchsetzen, die ambulante Rehabilitation wird im Alter zum Standard und verkürzt die Zeit, die Menschen in Pflegeabhängigkeit verbringen müssen (Geriatrie-Knick).

In einer 2. Phase übernehmen technische Assistenzsysteme (AAL) für ältere Menschen immer mehr Aufgaben. Bereits in der Ausbildung lernen Geriater, Pflegekräfte, Physio- und Ergotherapeuten den Umgang mit diesen Systemen, die einen großen Stellenwert in ihrem Berufsalltag einnehmen ein. Gemeinsam mit ihren Patienten können sie so Autonomieverluste bei den Basis- und instrumentellen Aktivitäten vollständig kompensieren (AAL-Knick).

Die Grundlagenforschung wird Durchbrüche in der Therapie von Alzheimer, Diabetes, Krebs, systemneurologischen Erkrankungen und anderen Diagnosen erzielen. Durch primäre Prävention kann künftig verhindert werden, dass diese Krankheiten überhaupt ausbrechen und somit auch die die Fähigkeitsstörungen und Einschränkungen und Fähigkeitsstörungen, die sie heute noch oft nach sich ziehen (Grundlagenforschungs-Knick).

Die Pflegequote bei den über 100-Jährigen sinkt unter 5 Prozent. Aktive, selbständige Centenarians, die mit hoher Qualität am sozialen Leben teilhaben können sind zur Normalität geworden.

Werden Sie aktiv! Warten Sie nicht, bis Stürze, Schmerzen und Leistungsabbau soweit fortgeschritten sind, dass Sie Schaden erleiden, der nicht mehr rückgängig zu machen ist.

back to top